Berührung und Körperwahrnehmung

Aktualisiert: 10. Dez 2019


"Es gheart afoch vü mehr gschmust" sagt man in Österreich :-) Das stimmt. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die den Tastsinn verkümmern lässt. Berühren verboten. Nicht nur beim Einkaufen - auch zwischen den Menschen. Diese Kontaktabstumpfung schlägt auf die Seele.



Mit den Händen ertasten wir die Welt

Der Tastsinn ist der Sinn, den wir niemals verlieren, da wir ohne ihn nicht leben können. Ein Netz von Millionen Tastrezeptoren durchzieht den Körper. Die meisten davon sitzen in den erogenen Zonen, im Mund, auf den Fußsohlen und auf den Fingerkuppen.


Tasten weckt Vertrauen

Berührung schenkt Sicherheit, Wärme und Geborgenheit. Jede liebevolle Berührung regt den Kreislauf an, die Funktion der Organe und wirkt sich positiv auf Immunsystem und Hormonhaushalt aus. Dass unser Tastsinn lebensnotwendig ist, zeigen Tierversuche oder wie es im 13. Jahrhundert Kaiser Friedrich II. mit Menschen gemacht hat: Er isolierte Babies, liess sie nur von Ammen füttern und diese durften sie nicht berühren. Er wollte herausfinden ob es eine Ursprache gibt. Die Babies starben.


Berühren verbindet

Der Körper produziert Oxytocin, ein Bindungshormon, wenn man umarmt und sich liebevoll berührt. Frauen schütten es auch während der Schwangerschaft und der Geburt aus. Es macht glücklich, entspannt und stärkt das Immunsystem.

Bei chronischen Schmerzerkrankungen zB Fibromyalgie wird Massage empfohlen. Massierende Hände locken Endorphin und Oxytocin, beide wirken schmerzstillend. Ähnlich wie wir bei Kopfschmerzen die Schläfen massieren.


Tastsinn und Körperwahrnehmung

Über den Tastsinn nehmen wir uns auch selbst wahr. Es ist ein komplexes Gebilde und nur eine seiner Dimensionen ist, dass wir die Welt berühren. Weiters, immer wenn wir uns selbst bewegen, stellt uns der Tastsinn Informationen zur Verfügung. Wie träge, wie aktiv, wie lang oder kurz wir uns fühlen, stellt uns unser Tastsinn von Millisekunde zu Millisekunde zur Verfügung. Da Sensorik und Motorik zusammen gehören, lässt derjenige, der den Körper nicht bewegt, die Selbstwahrnehmung verkümmern. Selbst in den Gelenken haben wir Tastorgane, Tastrezeptoren. Denn neben der Oberflächensensibilität verfügen wir noch über die Tiefensensibilität ("kinästethische Wahrnehmung"). In Gelenken, Sehnen, Muskeln funken Tastsensoren ständig zum Gehirn, wenn sich die Muskelspannung ändert. So berechnet das Gehirn wo man steht und welche Bewegung als nächstes dran ist.


wie stärken?

  • Dinge, die einem wichtig sind berühren. Reizvolle Oberflächen wie Terrakotta, Ton, Holz, Keramik, Seide in die Tastumwelt integrieren.

  • Den eigenen Körper berühren und evt. auch einmal mit einer Bürste über die Haut fahren. Es ist auch für das Gehirn gut, wenn man komplexe körpereigene Reize erhält.

  • Kampfsportarten (Interkation des eigenen Körpers mit anderen) oder Body-Mind-Trainings, welche den Geist integrieren. Unser gemeinsames Training, diese tiefgründige Körperarbeit, fordert und fördert das Gehirn und integriert so den Geist. Damit wird der Tastsinn jung gehalten und trainiert.


Ich erlebe in meinen Stunden immer wieder Momente, in denen ein Mensch etwas mehr Leben und Lebendigkeit in einen bestimmten Teil seines Körpers bekommen hat, allein durch die Lenkung der Aufmerksamkeit in feinere Strukturen mit Atem und tiefer Körperwahrnehmung. Und das ist erwärmend. Für den Menschen selbst und für mich zum Sehen.

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Körperarbeit. Atmung. Entspannung.

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